Montagmorgen, 7.15 Uhr an der Schule: Während die meisten noch im Halbschlaf gegen ihre fallenden Augenlider kämpften, stiegen wir in den Bus. Gepäck rein, Playlist an und ab auf die Autobahn Richtung Hauptstadt! Zehn Stunden Roadtrip, jede Menge Snacks und witzige Werwolf- Duelle, und endlich waren wir da: Berlin1
Unser erster Tag in Berlin: vom Wecker um 5.30 Uhr geweckt, Sicherheitscheck vor dem Westportal des Bundestags um 7.15 Uhr. „Ihr hattet einen Termin?“ „Ihr steht falsch!“. Die Mitarbeiter des Bundestags waren unfreundlicher als gedacht, aber dann standen wir doch gerade noch rechtzeitig vor dem richtigen Eingang. Bei jeder Kontrolle natürlich schön jede Jacke ausziehen, einer aus unserer Gruppe wurde sogar gefragt, ob er ein Messer dabei habe (?!?), ein anderer wurde aufgefordert, die Kapuze abzunehmen, um Respekt zu zeigen. Leider hatte die Grünen- Abgeordnete Agnieszka Brugger doch keine Zeit für ein Gespräch mit uns, deswegen haben zwei ziemlich sympathische Mitarbeiter ihre Rolle übernommen. Wer denkt, Politik ist nur langweiliges Gerede, hat sich gewaltig geirrt. Wir konnten ohne Filter Fragen stellen – über Sachen, die uns interessieren und Dinge, die uns wirklich betreffen- die Themen reichten von der AFD und ihren peinlichen Zwischenrufen bis hin zum Gaza- Krieg, wo es eine unangenehme Stille gab, da die Mitarbeiter darüber anscheinend nicht reden konnten oder wollten. Danach ging es noch in die gläserne Reichstagskuppel. Die Führung wurde von einem älteren Herrn geleitet, der uns Informationen gab, immer wieder kleine lustige Quizfragen stellte und zur Belohnung für richtige Antworten kleine Bundestagsadlerfiguren durch den Bundestag zu der Person warf, die die richtige Antwort wusste. Einer aus unserer Gruppe hat einen gewonnen! Unser Highlight war aber die Reichstagskuppel aus Glas: Die Aussicht über Berlin war einfach wunderschön! Nachmittags waren wir in Gruppen bei den besten Foodspots Berlins und haben den Tag auf die entspannteste Art und Weise überhaupt beendet: auf dem ältesten Schiff der Stadt auf der Spree, während die Sonne langsam hinter den Altbauten verschwand.
Der Mittwoch stand ganz im Zeichen der deutschen Teilung: Wir trafen uns am Alexanderplatz bei der Weltzeituhr und sind dann gemeinsam mit der Straßenbahn zu der Gedenkstätte Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen gefahren. Die Führung durch die ehemaligen Zellentrakte und Vernehmungsräume haben uns alle ziemlich sprachlos gemacht. Wenn man direkt an den Orten steht, über die man sonst nur im Geschichtsbuch liest, bekommt das Ganze eine völlig andere Dimension. Stellt euch vor, ihr werdet eingesperrt, keine Ahnung, wann ihr rausdürft, Verhöre ohne Ende, man sieht nie jemanden außer denjenigen, die einen verhören. Zusammenfassend fanden wir es schockierend, wie die Gefangenen psychisch bis zum Ende getrieben wurden! Nachmittags durften wir dann je nach Interesse zwischen verschiedenen Programmpunkten wählen.
Am Donnerstag ging es ins Jüdische Museum. Der erste Eindruck war sehr positiv, direkt als wir reingingen erstaunte uns die beeindruckende Architektur wie z.B. die schiefen Böden, die schmalen Lichtschlitze in einem 25 m hohen Raum und die Metallplatten, geformt wie Gesichter, auf denen man gehen konnte. Man fühlt die Botschaft der Ausstellung buchstäblich in den eigenen Knochen. Das Highlight der Ausstellung selbst war die kreative Art und Weise, uns die Geschichte zu erklären, z.B. ein Globus, der Informationen und Zahlen auf einen riesigen Bildschirm überträgt, wenn man ihn dreht, um zu sehen, wie viele Juden in welche Länder flüchteten. Interessant war auch der Stundenplan der jüdischen Schüler in den jüdischen Schulen, nachdem sie öffentliche Schulen nicht mehr besuchen durften: Schule bis 18 Uhr, um dem Alltag zu entkommen, aus dem Stundenplan gestrichene Fächer, weil die jüdischen Lehrer geflohen ist und sehr viel Englisch, um auf eine eventuelle Flucht der Schülerinnen und Schüler selbst vorzubereiten.
Am Freitagmorgen ging es um 8.30 Uhr mit müden Augen, vollen Fotogalerien und unzähligen Insiderwitzen zurück nach Hause. Die Studienfahrt hat uns als Stufe nicht nur noch näher zusammengebracht, sondern gezeigt: Geschichte und Politik sind alles andere als trocken, wenn man mittendrin steht.
Berlin 2026- wir kommen wieder!
Bericht von Melike, Emma, Julia, Siham, Theresa und Lisa
